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Yoga am Foro italico


Abends fahre ich mit der Scherbenaufsammlerin an den Strandabschnitt. Ein nettes Konzert mit Meeresrauschen im Hintergrund. Die Ehefrau eines Addiopizzomitglieds und die ragazza eines anderen haben Geburtstag und geben farinata, padelle, frisches Obst und Prosecco aus. Auf der Tanzflaeche ist es seltsam, weil ich mich als grosse nordische Frau beobachtet fuehle. Ich setze mich zum einzigen Aktivisten, der nicht tanzt und frage ihn nach dem Grund. Wie bei allen Maennern, die nicht tanzen wollen, gibt es keinen; nur die schnoede Scham haelt ihn ab.
Der Cousin des Addiopizzo-Travel-Chefs tippt mich auf die Schulter. Als die naive Evangelisten-Charismatikerin in Palermo war, hat er vergeblich und hartnaeckig versucht bei ihr zu landen. Ich erklaere ihm, dass es fuer Maedels oft nicht so einfach ist, im Ausland zu sein, einen Freund daheimsitzen zu haben und die ganze Zeit von interessierten Typen angegraben zu werden. Ich merke erst jetzt, dass er kein Trottel ist, in Wahrheit ist er ein feinfuehliger Kerl, der gerne eine Freundin haette, aber einfach zu nett fuer die meisten ist.

Zurueck in Palermo, es ist spaet geworden. Ich schlafe den gesamten Samstag hindurch und entgehe so den nervigen Mitbewohnern. Das niedliche schwule Paerchen, das fuer eine Woche mit in meinem Squat wohnt, hat meine Shampooflasche kaputt gemacht. Ich schmolle ein wenig, denn es war Bio-Kamillenshampoo fuer helles Haar, ohne Konservierungsmittel und Silikone, in Palermo mafia-frei in einer Parfuemerie, die auf der Addiopizzo-Liste steht, erstanden. Ethisch korrekter kann ein Produkt gar nicht sein. Jetzt liegt die Flasche mit abgebrochenem Deckel halbleer in der Dusche.

Endlich Sonntag. Ich lasse mich fruehmorgens, das heisst in Palermo um 9 Uhr, vom Unternehmer mitnehmen, der Addiopizzo bei der Strandbar die Welt erklaert. Er gibt mir einen Kaffee und ein Schokohoernchen aus, alles von mafia-freien Lieferanten, heiss, fettig und lecker.
Ich lasse mich tagsueber am Strand grillen, gehe zwischendurch schwimmen und lasse die Sonne mein Haar blondieren, wenn es schon das gute Kamillenshampoo nicht mehr kann. Nebenbei bespreche ich mit den Angestellten der Strandbar die Details fuer die Yogastunde. Wieder der abgewiesene Liebhaber der naiven Englaenderin, eigentlich ist er nicht uebel anzusehen, endlich mal einer, der mir ueber den Kopf hinausragt. Aber typisch fuer grosse Maenner, er faehrt auf winzige niedliche Blondchen ab. Irgendwie hat er es ja auch selbst verschuldet, dass er immer noch allein ist. Er bittet mich, der Englaenderin auszurichten, dass er sich freuen wuerde, ihre Schwester kennenzulernen und zu heiraten. Diese Sueditaliener ueberraschen einen immer wieder. Die Englaenderin hat ihn und mich in die Sektenmesse mitgenommen, in der wir vor einer Woche waren. Noch immer kringelt er sich mit mir gemeinsam ueber die Hardcorechristen, die in fremden Zungen sprechen und mit geschlossenen Augen Jesus' unglaubliche Liebe spueren.
Fuer das Yogaevent am Strand gehe ich mit der anderen Praktikantin und einem Antimafiaaktivisten Fotos fuer die Website schiessen. Am Foro italico entstehen zwischen Glasscherben und Loewenzahn erstaunlich gute Aufnahmen. Alles ist bereit fuer naechsten Samstag.

26.8.13 15:12
 
Letzte Einträge: Der Ashram, Ein Albtraum ohne Erwachen


bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Elena (26.8.13 16:07)
Wow, geniales Setting!


Norina (26.8.13 16:14)
Alles bis ins Letzte durchgeplant.
Oder anders gesagt - raus ausm Buero und an die naeheste Stelle am Meer, Handycam in der Hand und Glasscherben unter den Fuessen.


Elena (26.8.13 16:33)
Hach, ich vermisse das Meer. Schwimm etwas für mich mit


Norina (26.8.13 16:40)
Ein Zug fuer dich, einer fuer den Bernd, einer fuer die Mutti, einer ...


Lisa (26.8.13 16:43)
Oh wow...Yoga am Meer, da wär ich gern dabei. Wird bestimmt toll!


Norina (26.8.13 16:47)
Yoga am O-See ist immer noch meine Vision. Aber wenn das Wetter in Zittau einmal passt, ist es am naechsten Tag schon wieder vorbei...

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