* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Letztes Feedback
   22.09.13 12:51
    Deine eingetrübte Stimmu
   4.01.14 22:01
    Hast du diese Odysee übe
   20.10.14 23:57
    Wo ist Nora?
   11.11.14 09:51
    "Mut ist auch nur ein An
   13.02.15 00:30
    Es erleichtert mich sehr
   15.08.15 18:12
    Hä? Bahnhof.






Santa Rosalia

Ein langes Wochenende, ueber das sich alle freuen. Ich mich nicht. Ich weiss nicht so viel mit mir anzufangen. Am Montag ist das Stadtfest der Santa Rosalia, weswegen ganz Palermo am Sonntag feiert und am Montag nicht zur Arbeit und stattdessen zur Prozession geht. Ich verbringe meinen Samstag am Strand von Mondello, wo ich zaehneknirschend die horrenden Preise fuer einen Sonnenschirm akzeptiere und mich unter dem Schirm vor den schlimmsten Verbrennungen rette. Ich lege mich hinein in einen Roman von Isabel Allende, den ich unterwegs in Saarbruecken gefunden habe und den ich auf Sizilien weiterverschenken werde. Der Tag zieht sich und eigentlich bin ich froh, als ich in den Bus zurueck nach Palermo steige. An den Strand sollte man als Familie, zumindest aber doch mit seinem Herzblatt gehen, damit man sich dort nicht so langweilt.


Sonntag Abend das Stadtfest. Ich koche mit meinem neuen Lieblingsmitbewohner, einem Gelegenheitsarbeiter, der eigentlich Shiatsu-Meister ist, aber in Palermo hat man es nicht so leicht, sich selbststaendig zu machen. Wir sind also beide abgebrannt und freuen uns ueber unsere Arme-Leute-Kueche, bei der wir auch Essensreste vom Vortag noch zu schmackhaften Pastagerichten erweitern. Auf dem Ballarò-Markt gibt es guenstiges Gemuese und Wassermelone kann man beim Wassermelonenmann an der Kreuzung erstehen. Sie sind saftig und suess und aus dem frigo die ideale Abkuehlung.


Wir gehen auf das Stadtfest, es ist immer wieder faszinierend, wie ein Mann sich verwandeln kann, vom kleinen abgeranzten Jungen zum chiqcen Suedlaender, indem er einfach ein langaermliges Shirt und eine lange Hose ueberzieht. Es soll noch ein Feuerwerk geben und wir treffen eine seiner Freundinnen, die einen gewissen arroganten Charme ausstrahlt und mich damit voellig verunsichert. Das merke ich immer daran, dass ich dann kein vernuenftiges Italienisch mehr sprechen kann. Weil ich mich in ihrer Gegenwart langweile, versuche ich die andere Addiopizzo-Praktikantin zu erreichen, aber sie ist im Gewuehle steckengeblieben und schafft es nicht zur naechsten Kreuzung. Ich setze mich der Hoeflichkeit halber noch dazu, als die Gruppe sich einen Drink holt in der Vucciria, dem Ausgehviertel, das einem arabischen Zaubermarkt gleicht und in das sich die Carabinieri nicht hineintrauen. Es ist laut, Musik von allen Enden, Glastheken mit rohem Fleisch, das vor den Augen der Meute gebraten wird, kleine Schnecken in Knoblauch und Olivenoel getraenkt und gebraten, die auf allen Tischen stehen. Dazu ragazze, fesche Maedels in atemberaubenden Highheels, hier ist alles verrucht und sie haben alle ein Tattoo oder zumindest ein punkiges Outfit, die Schickeria Palermos sucht man hier vergeblich. Ich fluechte und lese auf der Dachterrasse, waehrend hinter mir das Feuerwerk abknallt.


Montag, ich war schon kurz davor ins Buero zu gehen, als ich eine SMS bekomme, die mir davon abraet. Sizilien ist katholisch, wenn der Tag der Santa Rosalia ist, wird nicht gearbeitet. Ein neuer Mitbewohner kommt an, ein Kosmopolit, wir schlendern durch die Stadt bis zur Kathedrale, wo er sich verabschiedet und ich mir die Prozession ansehe. Ein quartiere nach dem anderen erscheint, die Kirchenleute der hundert Kirchen Palermos mit einem Ueberwurf und einer Fahne, viele alte Maenner, ein paar Frauen und Kinder, ein Maedchen mit Engelsfluegeln. Dann nach einer Stunde endlich.

Die Santa Rosalia. Im spaeten Mittelalter hat sie Palermo von der Pest befreit, Viva Santa Rosalia, seitdem wird ihr Sarg immer am 15. Juli durch die Stadt getragen, geschmueckt mit Blumen, einer Kollekte und umrahmt vom Applaus der Glaeubigen, die lachend und weinend den Sarg bestaunen. Er wird zum Hafen und zurueck getragen und kommt dann wieder an seinen Platz in der Kathedrale. Im Jahr 2005 hat Addiopizzo hier eine ihrer ersten Aktionen gestartet, indem sie an einer praesenten Stelle, an der die Prozession vorbeifuehrt, ein Laken mit der Aufschrift Santa Rosalia, liberaci dal pizzo! gehaengt haben. Befreie uns vom pizzo!, eine bis dahin ungekannte Provokation und ein absoluter Tabubruch, vom pizzo zu sprechen, war bis bis dahin nicht moeglich.                                                                                      

Ein Mann quatscht mich zu, ich lasse es aus Einsamkeit geschehen und er gibt mir einen Kaffee aus, da sage ich nicht nein. Er wird zudringlich, beruehrt mich wie zufaellig am Arm und, ach welch Versehen, am Busen. Als er mich dann mit in einer Kneipe schleppen will, lehne ich ab und fluechte mich auf meine Dachterrasse.

16.7.13 15:26
 
Letzte Einträge: Der Ashram, Ein Albtraum ohne Erwachen


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(5.8.13 18:33)


Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung