* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Letztes Feedback
   22.09.13 12:51
    Deine eingetrübte Stimmu
   4.01.14 22:01
    Hast du diese Odysee übe
   20.10.14 23:57
    Wo ist Nora?
   11.11.14 09:51
    "Mut ist auch nur ein An
   13.02.15 00:30
    Es erleichtert mich sehr
   15.08.15 18:12
    Hä? Bahnhof.






Sconzajuoco, der mafiafreie Strand


Manche Dinge verstehe ich erst, wenn ich genau nachfrage. Das Strandfest war die Eroeffnungsfeier fuer einen Strandabschnitt in Capaci, den Addiopizzo Travel, die mafiafreie Reiseagentur ab jetzt dauerhaft halten will und wo sie Liegen, Schirme und Kabinen vermieten und Getraenke anbieten. Tatsaechlich sind alle diese Dinge von Unternehmern hergestellt worden, die nicht mit der Mafia kooperieren und somit ist der Strand eigentlich ein tolles Projekt, das allerdings einiges an Aufwand bedeutet. Der Barkeeper ist heute im Buero und es wird viel diskutiert. Nebenbei gibt die Chefin Skype-Interviews und kuemmert sich um tausend andere wichtige Dinge. Eine eigene Kulturagentur zu managen ist nicht so leicht.


In meiner Freizeit gehe ich auf den Ballarò-Markt, wo Fisch, Schnecken, Obst und Gemuese angeboten werden. Ich bewundere die grossen Schwert- und Thunfische und bemitleide sie, ihre Augen werden in der Hitze langsam milchig und Scheibe fuer Scheibe wird ihr Koerper verkauft. Ploetzlich folgt mir ein bulliger Einheimischer mit Glatze und beruehrt mich wie zufaellig an der Seite. Ich wechsle die Richtung und er auch, er ist immer noch hinter mir. Ich gehe wieder zurueck und er tut das gleiche und streicht wieder an meinem Arm entlang. Dann stelle ich mich vor einen Stand und schaue ihn boese an und er schaut zurueck. Als ich nochmal die Richtung wechsle und er immer noch hinter mir ist, bin ich drauf und dran loszuschreien, aber als ich mich dann nach ihm umdrehe, geht er auf einmal davon. Mitten am Tag auf einem belebten Markt kann einem zwar nichts passieren, angenehm war die Begegnung trotzdem nicht.

Ich setze mich mit der Sonntagszeitung in den Schatten hinter dem Bahnhof. Der Papst auf Lampedusa, die Sensationsmeldung des Tages. Die Italiener lieben Francesco sehr und das Giornale di Sicilia widmet ihm taeglich einige Seiten. Ich beobachte einen breitschultrigen Typen dabei, wie er am Parkplatz auf und ab laeuft. Es ist ein vielbefahrener Abschnitt und immer wenn ein Autofahrer den Parkplatz verlaesst, kommt der Kerl und nimmt ihm wie selbstverstaendlich ein paar Muenzen ab. Von meinem Mitbewohner erfahre ich, dass das ein Wirtschaftszweig der Mafia ist und dass dieser kleine Mafioso so tut, als wuerde der Parkplatz ihm gehoeren. Er treibt die Gebuehren ein und hat beste Kontakte zu den Verkehrspolizisten, die solange er da steht, keine Strafzettel austeilen. Da der kleine Mafioso die ganze Zeit vor meiner Nase herumtaenzelt, beschliesse ich mir ein anderes Plaetzchen zu suchen, irgendwie fuehle ich mich neben ihm nicht wohl.

Zu Hause kommen neue Gaeste im Haus an, das bis vor kurzem noch von Punks besetzt und erst dieses Jahr auf Vordermann gebracht wurde, drei Franzoesinnen, die gemeinsam Urlaub machen. Ich krame mein Franzoesisch hervor und verteile den Addiopizzo-Stadtplan, damit auch sie mafiafrei einkaufen koennen. Der Mitbewohner und ich improvisieren ein Abendessen fuer uns fuenf und es ist ein wunderbarer Abend auf der Dachterrasse mit einer Dorade aus dem Ofen mit Kapern, frischen Kraeutern und Zwiebeln, gruenen Balsamico-Bohnen und Reis. Er gibt eine Flasche Marsala aus, eine Art oxidierter Wein mit viel Alkohol. Ich bin wieder mit Sizilien und vor allem den Sizilianern versoehnt trotz all der Probleme, die man an jeder Ecke trifft.


8.7.13 18:13
 
Letzte Einträge: Der Ashram, Ein Albtraum ohne Erwachen


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung