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Eine Strandbar ohne Bier

Ich steige in Palermo nachts aus meinem Bus und bin ueberfordert von den vielen Reizen des Tages. An einem grossen Stadtplatz laufe ich in eine kleine Strasse voller leerer Obstkartonagen vom vergangenen Arbeitstag, wo mein Zimmer fuer die naechsten drei Monate sein wird. Natuerlich habe ich vergessen, mein Handy aufzuladen und es zeigt niedrigen Akkustand an. Ich soll den Mieter anrufen, wenn ich da bin, das steht auch noch mal an der Klingel, die ich erst nicht finde, weil die Hausnummer in roter Farbe angemalt ist und deswegen von der Nacht verschluckt wurde. Zwei Afrikaner helfen mir weiter. Als nicht sofort jemand abhebt, wird einer der beiden aufdringlich und will mich ueberreden, heute Nacht bei ihm zu schlafen, was ich nett aber bestimmt ablehne. Dann oeffnet sich die Tuer.


Im dritten Stock habe ich ein tolles Zimmer in einem Altbau in einer Wohngemeinschaft, deren Mitglieder ich immer noch nicht aufzaehlen kann, weil alles so kompliziert ist. Eine Familie mit zwei Kindern und ein weiterer Mitbewohner scheinen hier zu wohnen. Und la Corina, ein Schaeferhundmischling, den ich gut leiden kann, obwohl sie ein Hund ist. Ich verstehe zum ersten Mal, warum man Hunde mag, sie laesst sich immer gern kraulen, sie mag jede Taetschelei, auch mit den Fuessen unter dem Tisch und auch nachdem mit ihr geschimpft wurde, kommt sie zurueck und sagt mit den Augen Aber ich liebe dich doch so! Das versoehnt mich mit dem schrecklichen Erlebnis in Neuengland, als der bloede Hund dort ein Streifenhoernchen vor meinen Augen abgeschlachtet hat.


Die Arbeit oder was man hier darunter versteht befindet sich in einem Palazzo, der ehemals in Mafiabesitz war. Weil ein bekannter Mafiaboss hier gewohnt hat, gibt es eine doppelte Tuere, bei der man die zweite nur von innen verschliessen kann und alle Fenster sind vergittert, damit ja keiner das ehemalige Zigarettenschmuggellager entdeckt. Jetzt sitzen hier Addiopizzo drin und denken sich ihre Antimafiaaktionen aus. Diese Woche soll es ein Strandfest geben, das zu Promotionzwecken und zum Vergnuegen aller Unterstuetzer dient. Alle halbe Stunde kommt irgendwer ins Buero und quatscht laut mit irgendeinem Addiopizzomitglied, ich verstehe noch nicht, was diese Leute alle hier machen, aber das kann besser werden. Ich uebersetze einstweilen fuer die mafiafreie Reiseagentur ein paar Angebote auf deutsch und erstelle die Getraenkeliste fuer das Strandfest. Sie wollen ernsthaft eine Bar aufmachen und kein Bier besorgen! An die italienischen Sitten muss man sich erst gewoehnen.

Ich fahre mit Francesca mit zum Strand, wo fleissig an Brettern herumgesaegt und gestrichen wird und streiche in der Sommerglut Siziliens Panaelen und ein Bademeisterhaeschen in Weiss und wasche mir dann mit Salzwasser das Salz von der Haut. Ein Sonnenuntergang am Meer, Berge im Hintergrund und einer der Gruender von Addiopizzo, der an diesem Tag seinen dritten Hochzeitstag feiert und daher mit seiner Frau an einem Tisch sitzt als Kulisse. Einer der Kollegen hat sich umgezogen und spielt fuer die beiden den Kellner, wie es nur Italiener koennen. Weisses Hemd, Weste und Stoffhose und er tischt einen Gang nach dem anderen auf. Vom Spumante ist etwas uebrig, was den Helfern auf der Strandbaustelle in Plastikbechern gereicht wird. Wir fahren zurueck in die Stadt und ich kippe in mein Bett.  

4.7.13 19:04
 
Letzte Einträge: Der Ashram, Ein Albtraum ohne Erwachen


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


el torino (16.7.13 22:12)
schön, dass man wieder ohne Passwort lesen kann

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