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Ein Albtraum ohne Erwachen

Ich steige uebernaechtigt in Delhi aus, wo ich mich sofort in eine tropische Klimawolke eingehuellt fuehle. Eine Stadt mit 15 Millionen Einwohnern und der sie umgebenden Kaeseglocke aus Smog. Es ist sehr frueh, das Leben erwacht in der Stadt. Ich steige bei einem Mann mit geoelten Haaren in einen Wagen, in dem ich mich als Deutsche natuerlich sofort anschnallen will. Der Fahrer hat ab und zu den Gurt um, auf seiner Rueckbank jedoch hat er diesen zwar drangelassen, dafuer aber den Einstecker abmontiert. Los geht die Fahrt aus Delhi heraus, es riecht so, wie Disneys Dschungelbuch aussieht, ueberall stehen Platanenbaeume und andere riesige Stauden. Wir fahren an einigen kleinen Siedlungen vorbei, die dicht an dicht neben Tempeln oder modernen Buerogebaeuden vor sich hin modern und diesen Geruch nach Dschungel und den Geruch nach alten Obstschalen verbreiten. Der Fahrer sagt etwas zu mir - ob es wichtig war oder nicht, ich werde es nie erfahren, denn sein Englisch reicht noch soweit, dass er ein paar wenige Saetze auswendig kann und den Rest auf Indisch plaudert. Irgendwie ist er aggressiv und da wir nicht kommunizieren koennen, bekomme ich etwas Angst, wo er mich hinbringt. Wenn ich ihn frage, versteht er mich nicht.
Autofahren ist hier auch ein besonderes Erlebnis. Man hupt aus Hoeflichkeit bei jedem Auto und jeder Rikscha und jedem Roller, wenn man ihn rechts oder links ueberholt, das scheint egal zu sein. Sowieso hupt man einfach immer, egal was man macht, sobald man andere Menschen wahrnimmt oder auch bei Kuehen, die ueberall am Strassenrand herumstehen, auch in Delhi. So verlassen wir hupend und ueber dutzende Irrfahrten die Stadt, an jeder Ampel fragt der Fahrer bei Rollerfahrern und Maennern in langen Saris in bunten Farben nach, wohin es weitergeht. Nicht sehr vertrauenserweckend. Es ist wie in einem Albtraum mit lauter Flashbacks, ich schlafe auf der Rueckbank immer wieder ein um dann wieder mit noch trockenerer Kehle wieder zu erwachen und festzustellen, dass ich bei einem crazy Fahrer im Taxi sitze und durch noch ein indisches Dorf gefahren werde. An der Taxituer steht zu allem Ueberfluss noch gross "Tourist", sodass auch wirklich jeder letzte Hinterwaeldler hier neugierig mein blasses Gesicht mit den hellen Wimpern und Augebrauen anschaut. Mir kommt der Begriff Weissbrot in den Sinn, ich war noch nie so weiss wie heute.
Mir scheint, dass mein Fahrer das Mautgeld fuer sich behalten will. Noch nie habe ich fuer 200 Kiometer laenger gebraucht, ich bin mit ihm von sechs Uhr morgens bis halb eins Mittags unterwegs. Er haelt an und fragt mich etwas auf einer mir unbekannten Sprache. Wenn ich nicht verstehe, wird er etwas wuetend. Er will Chai trinken, verstehe ich irgendwann. Ich bitte um Wasser, weil ich auf der Rueckbank in der Hitze langsam vertrockne, er hat zwar die Airconditioning an, laesst aber alle zwei Minuten das Fenster herunter umd den schlechten Tabakgeschmack auszuspucken. So gesehen koennte er sie auch auslassen. Wir fahren endlich weiter. Er macht ein interessantes Manoever, bei dem er verkehrt herum in eine mehrspurige Einbahnstrasse einfaehrt, weil er so schneller zu einem kleinen Restaurant kommt. Ich bin fassungslos, dass er jetzt erst mal in Ruhe fruehstueckt und mir das nicht einmal mitteilen kann. Irgendwann kommt der Restaurantmanager mit ihm zusammen heraus und fragt mich, ob ich nicht essen will. Nach meiner inneren Uhr ist es etwa sechs Uhr morgens und ich habe nicht geschlafen. Ein innerer Zusammenbruch, ich hasse den Fahrer nur noch, sehr unyogisch und schlecht fuer mein Karma.

 Nach einer gefuehlten Ewigkeit erreichen wir Rishikesh.

Grossartig, eine Stadt am Ganges mit einem wichtigen Hindutempel, es ist gerade Pilgerzeit und Frauen in bunten Glitzerkleidern, die um sie herumwallen, laufen barfuss durch die Strassen und weichen absolut entspannt den hupenden Autos aus, die an ihnen vorbeidonnern. Es scheint nicht unschicklich zu sein, auch als aeltere Dame mit einem wallenden Rock, einem langen Schal und einem bauchfreien Shirt herumzulaufen, egal wie dick der Bauch ist, der dabei hervorblitzt. Maenner oft in weiss, eine lange Hose und ein langer Ueberwurf ist eigentlich Pflicht, nur niedere Kasten tragen Shorts und T-Shirt. Dazwischen Kuehe, die unendlich langsam herumtrotten. Oder sind es nur meine europaeischen Augen, die dieses Klischee wahrnehmen?
Ich werde etwas unsanft aus dem Taxi geworfen und da ist sie, die Laxmanjuhlla-Bruecke, die erhaben ueber dem Ganger schwebt, von Bergen eigerahmt und in tropische Monsunwolken eingehuellt. Dieses Jahr hat der Monsun den Norden hart erwischt und bleibt dafuer im Sueden aus. Ich laufe ueber die Haengebruecke und halte meine Tasche fest, damit die Affen und Aeffchen sie mir nicht klauen, mit gehetzten Augen schauen sie die Passanten an und warten auf Maiskoerner. Auf der anderen Seite ist mein Ashram, den ich durch Nachfragen finde und schuechtern betrete.
Mein Zimmer - wunderbar, ohne Strom, eine Nasszelle, ein hartes Bett und ein nachts zirpender Gecko. Harte Betten und Sitzgelegenheiten sind, wie ich lerne, good for everyone. Tatsaechlich schlafe ich darauf erstaunlich gut und diese Art der Askese gefaellt mir. Ich werde in einen Saal hineingeschoben, wo lauter Westler, die auf der Suche nach Erleuchtung sind, um den Meister Mahesh herumsitzen, alle haben Blumenketten um den Hals und werfen Bluetenblaetter und Erde in ein zentrales Feuer. Maesh und ein anderer chanten ein Mantra nach dem anderen und ich setze mich dazu und werfe auch.
Ich falle abends in mein Bett und hoffe, die Morgenmeditation nicht zu verschlafen, die um sechs Uhr beginnt.

Ich wache um fuenf vor sechs auf. Ab in den Saal.


10.10.12 16:42
 
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