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Bhindi und Puja

Der Yogakurs neigt sich seinem Ende entgegen. Die letzten Tage gehen unendlich langsam vorüber. Ich werde eine Nacht länger im Ashram verweilen und am nächsten Tag meinen Freund in einem vorab gebuchten Hotel auf einem Hügel auf der anderen Seite des Ganges treffen, wenn alles gut geht. Voller Nervosität erwarte ich das Schlimmste - Flugzeugabsturz, Entführung am Bahnhof, böswillige Taxifahrer. Ich sollte ihm mehr zutrauen, immerhin ist er über 18.

Der letzte Tag bricht an. Und das früher als üblich. Ich muss verrückt sein, denn ich stehe um kurz vor vier in der Herrgottsfrühe auf, wenn selbst die Kühe noch schlafen. Wenigstens am letzten Tag will ich begreifen, was die erlesene Gruppe um den Pranayamalehrer umtreibt, sich täglich in der Yogahalle für Atemübungen zu treffen. Es ist noch dunkel. Meine Zimmernachbarin und ich gehen bei Stromausfall die Treppe zur Halle hinauf. Man muss dabei einfach an gefährliche Tiere denken, die auf den Stufen auf einen lauern. Oben ist niemand.

Selbst ein Guru kann einmal verschlafen.

Er kommt fast pünktlich und geduscht herein. Takarash, der Südinder, der mich mit zuckersüßem Glibbertrank zum weinen gebracht hat. Drei weiße Streifen auf der Stirn, ein Wickelrock und freier Oberkörper. Es ist kalt vom Regen. Wir haben wegen des Stromausfalls immer noch kein Licht. Das macht die Situation nur noch magischer. Atmen, mit Kraft, Ausatmen mit den Bauchmuskeln und die Luft von alleine einströmen lassen. Mein Kopf ist leer. Nichts kommt mir komisch vor. Endlich dieses Gefühl für den Atem zu erlangen ist mein Ziel. In der großen Gruppe habe ich das selten geschafft. Mein Bauch wird immer noch von der üblichen Seuche bewohnt. Nach etwas mehr als einer Stunde kann ich nicht mehr und lege mich zurück. Dämmerschlaf überfällt mich.

Am frühen Vormittag dann die Puja, unsere Abschlusszeremonie.


Abschied von einer Gruppe, die mir fehlen wird. Der Zeremonienmeister hat sich feingemacht und alles mit Blumen, Ghee, Feuer und Gangesholz vorbereitet. Alle in weiß. Der Guru des Ashrams und er singen lange aus einem heiligen Büchlein. Heiliges Wasser wird allen löffelweise gereicht, hinter die Schulter, in den Mund und aufs Gesicht damit. Davon wird man immer heiliger. Wir werfen Kräuter, Blütenblätter, Mandeln und Erde aufs Feuer, der Meister tut Ghee dazu.

Dann sind wir endlich alle vollgeräuchtert und haben rote Augen. Zeit, um allen feierlich ein rotes Bändchen ans Handgelenk zu knoten und frittierte Zuckerbackerbsen zu reichen. Den Hinduismus wird man als Außenstehender nie verstehen. Alles ist mit Bedeutung aufgeladen, alles mit magischen Zeichen versehen, die die Religiösen zu deuten wissen. Ein Land mit ebenso vielen Tempeln und Heiligenbildchen wie Italien kann ich nur mögen. Unser Zertifikat wird uns verliehen.

 
10.10.12 16:33
 
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