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Panjabis, Klimbim und Paneer


Ich fahre mit meiner Zimmergenossin an unserem freien Tag in die Innenstadt. Kurz zuvor haben wir uns in einem Laden, der ueberquillt von bunten gold- und geschmeidebestickten Glitzerstoffen, ausmessen lassen. Heute sind unsere Panjabis fertig und wir wollen sie abholen und vielleicht aendern lassen. Der Schneider ist viel zu offensichtlich vom anderen Ufer, der stolziert durch den Laden mit seinen engen Hosen und den gezupften Augenbrauen. Die Chefin persoenlich vermisst uns.
Zum Abholen sollen wir einem Jungen folgen, der uns ins Schneideratelier in einer Seitenstrasse bringt. Mein Panjabi-Oberteil sitzt hervorragend, es ist moosgruen und hat dicke gueldne Paisley-Tropfen auf Brust und Bauch. Die Hose ist viel zu eng. In Windeseile wird sie passend genaeht. Und dazu ein Klimbimschal in weinrot. Meine Freundin hat weniger Glueck, ihre beiden Panjabis schneiden ihre Brueste entzwei. Neunmal gehen die Oberteile in die Naehstube zu den Herren an den hundert Jahre alten Naehmaschinen, bis es halbwegs sitzt. In der verstreichenden Zeit kommt eine andere indische Kundin in den Laden und laesst sich innerhalb einer Stunde von der Schneiderin Tupperdosen anpreisen und aufschwatzen. Bald sind die zwei Schneiderinnen so verzweifelt, dass sie dem Maedel mit der zweigeteilten Brust erklaeren wollen, dass es so gehoert. Bei der letzten Aenderung bekreuzigt die Schneiderin sich im Scherz und sieht mich fragend an. Ich lache und signalisiere ihr, dass sie es richtig gemacht hat. Nach Stunden sind wir erst wieder am Markt.
Uns wurde ein Restaurant empfohlen, dass wir betreten. Draussen stehen grosse Kessel, die mit altem dampfendem Fett gefuellt darauf warten, dass Samosas, billige Dosas oder Pakoras hineingeworfen werden. Drinnen sieht es besser aus und es riecht himmlisch. Wir passieren eine eindrucksvolle lange Theke voller unglaublicher Suessigkeiten, Cashew-Pralines, Prince-Roll mit Mandeln und kandierten Fruechten, Milchpralinen, Dattelbaellchen, Kokosorangen. Weiter hinten sind gerade zwei Plaetze freigeworden. Wir lassen uns vom Kellner beraten, was unser europaeischer Gaumen wohl vertraegt und sind dabei natuerlich in diesem Laden die Attraktion des Tages. Die einzigen zwei Weissbrote weit und breit, zwischen Turban tragenden dicken Maennern, Frauen mit einem roten dritten Auge auf der Stirn und Nepalesen. Wir bestellen Naanbrot, ein Brot, das mit Ghee so lange ausgewalzt wird, bis sich die Fettschichten hauchduenn zwischen das Mehl schmiegen. Frisch ueber dem Feuer gebacken. Dazu Paneer, indischer weisser Sahnekaese, mit gruenen Chillieschoten, Zwiebeln und Tomaten. Ein weiteres Tellerchen mit gebratenen Kartoffeln und Fenchelsamen. Wenn man drei Wochen lang nur yogisches Gemuese, Reis und Dhal (oder auch gar nichts) gegessen hat, sind gebratene Zwiebeln mit Paneer und Gewuerzen die wahre Geschmacksexplosion. Im Ashram gibt es naemlich aus yogischen Prinzip keinen Knoblauch und keine Zwiebeln und langweiligen Obstsalat zum Fruehstueck, den ich nicht mehr sehen kann. Mit dem Tuktuk geht es zurueck nach Laxmanjullah.

4.9.12 23:16
 
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