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Beerdigung und Grabrede

Zurück in meiner Wohung in Zittau. Meine Fische leben noch, vier Tage des Fastens haben sie überstanden. Wie immer studentische Leere im Kühlschrank, ich zerteile einen Apfel und schneide ihn in Scheiben. Dazu eine Dose Bohnen, Essig und Öl, Salz und Pfeffer. Ich schaffe es nicht zur Chorprobe. Einfach nur meine Ruhe, meine Sachen ordnen.

Sehr vielen hat die Beerdigung gefallen, eine Beerdigung, wie ich sie mir für meinen Papa gewünscht habe. Keine christlichen Phrasen, die trösten weder mich noch meine Mutter. Ein freier Theologe spricht in den schönsten Worten und zeichnet ein Bild von jemanden, den nur wenige verstanden haben. Viele verstehen ihn erst jetzt, den verlassenen Jungen, der sich seit seiner Kindheit nach Beständigkeit gesehnt hat und sie schließlich in Nürnberg gefunden hat. Meine Mutti hat einen geschwungenen Sarg ausgesucht, eine Welle, in holzbraun und türkis. Ein Kranz darauf, In meiner Liebe bin ich dir nahe. Meine Eltern haben sich bis zum Schluss geliebt, ohne hätte es meine Mutter nicht so lange tragen können, was auf ihr gelastet hat. Ein Kollege spricht nach dem Hauptredner, er zittert, ich sitze vor ihm, sehe es und zittere auch. Für uns beide das erste Mal, dass wir eine Grabrede halten, für mich das erste und letzte Mal, dass ich es für meinen Vater tun kann. Und für meine Mutter. Ich steige auf das kleine Podest und sehe ein schwarz angezogenes Plenum. Der Blick auf meine Zettel, ich zittere noch mehr und bringe das erste Wort nicht heraus. Ich beginne, die Stimme ist fort, gebrochen, kommt zurück mit dem dritten Satz. Ich trage mein Gedicht vor, das mich schon so lange begleitet und erkläre es, damit es alle verstehen. Ich spreche von der Verlorenheit, die man spürt, wenn man bemerkt, dass man ein kleines Teilchen ist, das mit im Weltall schwebt, während die Planeten geräuschlos auf ihren Bahnen dahinrollen. Man ist Teil der Welt, die Fülle des Lebens umgibt einen. Heute halten wir dabei inne. Das verknüpfe ich mit ein paar Erinnerungen, die ich an meinen Vater aus meiner Kindheit habe, ich sehe meine Mutter an und kann fast nicht weiterreden, als ich sehe, dass auf jedem Gesicht, das ich anblicke, Tränen sind. Meine kurze Rede hat den letzten im Saal zum weinen gebracht. Ich rezitiere die letzten beiden Verszeilen, beende die Ansprache und sehe noch kurz auf den Sarg, in dem mein Papa eiskalt und unbewegt liegt und trete wieder ab.

Eine schwerere Rede werde ich nie halten. Ich sehe, dass ich auch in Ausnahmesituationen handlungsfähig bleibe. Mich schüchtert die Symbolkraft davon, dass ich als Tochter das für meinen Papa als letzten Gefallen getan habe, erst hinterher ein. Mein emotionaler Auftritt wird allen Trauernden in Erinnerung bleiben, vor allem auch meiner engsten Familie. Ich gebe meiner Mutter meine Zettel, sie will sie sich kopieren.

1.11.11 22:50
 
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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


leander (2.11.11 16:44)
Mein herzliches Mitgefühl an dich und deine Famile, liebe Nora

ich sende dir aus Rilkes Briefe an einen jungen Dichter ein paar Zeilen (s.u. den link, die Seiten 13, 14 und 15)

http://www.astro-sophia.de/Seiten/PDF/rilke%20briefe.pdf

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