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Mafiafrei einkaufen

Es hat einen Anschlag gegeben auf das Lager eines Ladenbesitzers, der sich Addiopizzo angeschlossen hat. Dennoch geht das Strandfest vor, was auch wichtig ist, da hier die ganzen Presseleute versammelt sein werden und danach in der Zeitung berichtet werden wird.

Ich gerate mit einem Kollegen aneinander, weil seine Witze immer unter die Guertellinie zielen und immer nur gegen Frauen gerichtet sind. Als er einen Scherz ueber meinen Vater reisst, spuere ich ein inneres Beben in mir, meine Haende zittern, weil es mich so aergert, ich kann mir das nicht mehr anhoeren, verbitte mir, dass er ueber meinen toten Vater Witze macht und verlasse geknickt das Buero. Die Anstrengung der letzten Tage bricht in Traenen aus mir hervor, auch wenn er es gar nicht boese gemeint haben soll und er sich sogar entschuldigt, mit Worten und Gesten, seine Hand an meinem Kinn. Am naechten Tag versucht eine Kollegin lange, die angerichteten Scherben einzusammeln und spricht mit mir ueber die Art der sizilianischen Ragazzi, Witze zu machen. Weil sie so nett ist, lasse ich mich besaenftigen und mache ab jetzt einfach einen grossen Bogen um diesen Grobian. Ich erstelle eine Bibliotheksliste und quatsche nebenbei mit einer weiteren Aktivistin ueber ihre grossen Fuesse (sie hat dieselbe Schuhgroesse wie ich) und wie sie in Palermo Schuhe findet. Es soll tatsaechlich ein oder zwei Laeden geben, aber leicht ist es nicht. Ein Laden ist auch schutzgeldfrei-zertifiziert.

Eigentlich hatte ich mir, was das angeht, mehr versprochen. In meiner Vorstellung gehen junge Leute, die in einer Antimafia-NPO arbeiten, nur mafiafrei essen und einkaufen. Bislang sehe ich aber nur unreflektiertes Kaufverhalten und wenn ich nach bestimmten Laeden frage, die auf der Liste stehen, bekomme ich unbefriedigende Antworten, weil man noch nicht dort war. Ich weiss nicht, ob die Getraenke fuer das Strandfest mafiafrei gekauft werden.

Zum Mittagessen gehe ich mit der anderen Praktikantin endlich einmal in einen mafiafreien Laden, einen der bekanntesten, in die Antica Foccacceria San Francesco. Der Besitzer hat gegen die Schutzgeldforderungen opponiert und wurde daraufhin koerperlich angegriffen. Spaeter hat er sich Addiopizzo angeschlossen. Dort bekommt man sizilianische Spezialitaeten in guter Qualitaet, vor allem die Caponata, ein suess-saurer Eintopf aus Tomaten, Auberginen und Kapern und die sagenumwobenen Milzbroetchen, bei deren Anblick sich bereits mein Magen umdreht. Man muss nicht alles probiert haben, ich entscheide mich fuer koestliche Involtini, Auberginenroellchen mit Parmesan und Olivenoel und kuehle meine heisse Stirn.

5.7.13 14:40


Eine Strandbar ohne Bier

Ich steige in Palermo nachts aus meinem Bus und bin ueberfordert von den vielen Reizen des Tages. An einem grossen Stadtplatz laufe ich in eine kleine Strasse voller leerer Obstkartonagen vom vergangenen Arbeitstag, wo mein Zimmer fuer die naechsten drei Monate sein wird. Natuerlich habe ich vergessen, mein Handy aufzuladen und es zeigt niedrigen Akkustand an. Ich soll den Mieter anrufen, wenn ich da bin, das steht auch noch mal an der Klingel, die ich erst nicht finde, weil die Hausnummer in roter Farbe angemalt ist und deswegen von der Nacht verschluckt wurde. Zwei Afrikaner helfen mir weiter. Als nicht sofort jemand abhebt, wird einer der beiden aufdringlich und will mich ueberreden, heute Nacht bei ihm zu schlafen, was ich nett aber bestimmt ablehne. Dann oeffnet sich die Tuer.


Im dritten Stock habe ich ein tolles Zimmer in einem Altbau in einer Wohngemeinschaft, deren Mitglieder ich immer noch nicht aufzaehlen kann, weil alles so kompliziert ist. Eine Familie mit zwei Kindern und ein weiterer Mitbewohner scheinen hier zu wohnen. Und la Corina, ein Schaeferhundmischling, den ich gut leiden kann, obwohl sie ein Hund ist. Ich verstehe zum ersten Mal, warum man Hunde mag, sie laesst sich immer gern kraulen, sie mag jede Taetschelei, auch mit den Fuessen unter dem Tisch und auch nachdem mit ihr geschimpft wurde, kommt sie zurueck und sagt mit den Augen Aber ich liebe dich doch so! Das versoehnt mich mit dem schrecklichen Erlebnis in Neuengland, als der bloede Hund dort ein Streifenhoernchen vor meinen Augen abgeschlachtet hat.


Die Arbeit oder was man hier darunter versteht befindet sich in einem Palazzo, der ehemals in Mafiabesitz war. Weil ein bekannter Mafiaboss hier gewohnt hat, gibt es eine doppelte Tuere, bei der man die zweite nur von innen verschliessen kann und alle Fenster sind vergittert, damit ja keiner das ehemalige Zigarettenschmuggellager entdeckt. Jetzt sitzen hier Addiopizzo drin und denken sich ihre Antimafiaaktionen aus. Diese Woche soll es ein Strandfest geben, das zu Promotionzwecken und zum Vergnuegen aller Unterstuetzer dient. Alle halbe Stunde kommt irgendwer ins Buero und quatscht laut mit irgendeinem Addiopizzomitglied, ich verstehe noch nicht, was diese Leute alle hier machen, aber das kann besser werden. Ich uebersetze einstweilen fuer die mafiafreie Reiseagentur ein paar Angebote auf deutsch und erstelle die Getraenkeliste fuer das Strandfest. Sie wollen ernsthaft eine Bar aufmachen und kein Bier besorgen! An die italienischen Sitten muss man sich erst gewoehnen.

Ich fahre mit Francesca mit zum Strand, wo fleissig an Brettern herumgesaegt und gestrichen wird und streiche in der Sommerglut Siziliens Panaelen und ein Bademeisterhaeschen in Weiss und wasche mir dann mit Salzwasser das Salz von der Haut. Ein Sonnenuntergang am Meer, Berge im Hintergrund und einer der Gruender von Addiopizzo, der an diesem Tag seinen dritten Hochzeitstag feiert und daher mit seiner Frau an einem Tisch sitzt als Kulisse. Einer der Kollegen hat sich umgezogen und spielt fuer die beiden den Kellner, wie es nur Italiener koennen. Weisses Hemd, Weste und Stoffhose und er tischt einen Gang nach dem anderen auf. Vom Spumante ist etwas uebrig, was den Helfern auf der Strandbaustelle in Plastikbechern gereicht wird. Wir fahren zurueck in die Stadt und ich kippe in mein Bett.  

4.7.13 19:04


Falcone und Borsellino

 

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Ich schmökere durch Methoden der Sozialforschung, soziologische Theorien über die Entstehung der Mafia und durch die Geschichte Siziliens. So gut war ich noch nie auf ein Land vorbereitet, aber diese Vorbereitung hat diesmal einen anderen Hintergrund. In einer Woche beginnt mein Praktikum bei den Antimafiaaktivisten in Palermo, die ich in der Auslandspressestelle unterstützen werde. Ihr Ansatzpunkt ist es, mit Aufklärung an der Mentalität einer ganzen Bevölkerung zu schrauben und sie bieten Unternehmern ein Netzwerk, das sie schützt, wenn sie sich der Mafia entgegenstellen wollen. Addiopizzo setzt dort an, wo die Politik versagt und bietet den Sizilianern Hilfestellung bei moralischen Entscheidungen im Alltag.

So weit zur Theorie. Ich bin einstweilen aufgeregt und kaue mir schon wieder die Nagelhaut ab. Eine innere Anspannung muss dahinter stecken, die sich außerlich nicht bemerkbar macht. Ich kündige meinen Handyvertrag und suche meine italienische SIM-Karte, an deren Nummer ich mich nicht mehr erinnere. Meine Fahrt zum Münchner Flughafen ist gebucht und der Transfair vom Flughafen Palermo "Falcone e Borsellino" ist organisiert. Eigentlich kann es morgen losgehen.  

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23.6.13 18:43


Zittern

Ein unglaublicher Aufenthalt neigt sich seinem Ende zu. Ich schlemme mich mit meinem Herzblatt durch die unglaubliche Küche Nordindiens und kann mir dank meiner Dauerkriya alles erlauben. Shahi Paneer, süß mit Mandeln und Früchten, Channa Masala, duftige Kichererbsen in Currysoße mit Geera Rice und gelbem Dhal, zu gut. Danach Katli, Cashewsüßigkeiten mit echtem Blattsilber. Und dennoch bin ich so schlank wie selten. Actually, life is very funny, wie mein Lieblingslehrer zu sagen pflegt.

 

Ich gehe mit meinem Freund in seine Abendmeditation. Es sind nur wir beide gekommen und so lässt er uns einander gegenüber eine Partnermeditation machen. Einatmen, beim Ausatmen summen. Hummingmeditation. Ich gerate in höhere Sphären, es ist eine sehr körperliche Meditation, bei der man mit dem Partner verschmilzt. Er beginnt irgendwann zu zittern und ich bin in leichter Sorge um seinen Gemütszustand, es haben schon mehr Menschen beim Meditieren weinen müssen. Als ich die Augen wieder öffne, sehe ich ihn, klatschnass und mit angestrengtem Gesicht. Der arme Kerl war nicht vom Meditieren ergriffen, sondern hat nicht begriffen, dass man dabei locker und bequem sitzen soll und im Notfall auch die Position wechseln darf. So hat er sich eine halbe Stunde abgequält und vor körperlicher banaler Anstrengung ist er ins Schwitzen geraten. Life is very funny.  

 

Unglaublich, was ich alles gelernt habe. Beweglicher war ich nie. Vrischikasana galt es zu erreichen und ich kann sie halten, die Skorpionspose. Die Östliche Philosophie habe ich gierig eingesogen und meinen Guru habe ich dabei auch gefunden. Soweit zu meinem Ego. Ansonsten fühle ich mich klein und ausgelaugt.

Anstatt auf Trekkingtouren zu gehen, bitte ich meinen Freund mit mir gemeinsam in unserer tollen Dschungelherberge abzuchillen. Wir hangeln uns also durch die verbliebenen Tage. Der Grund, warum es nur langweilige Egobilder von NorainbescheuertenPosen gibt, ist, dass ich nicht durchs Land gereist bin. Ich war in Rishikesh und blieb in Rishikesh, weil mein Körper mir nicht mehr erlaubt hat. 

10.10.12 17:13


Brano in italiano

Un viaggio di meraviglia è finito. Strano come sono passate veloce, le ultime sei settimane.

Mi ritrovo a Rishikesh, una città presso del Gange al Nord dell'India dove vorrei passare un mese a un Ashram per imparare più di yoga e di ayurveda. Già in corsa da Delhi all'Ashram mi sento avventurosa. Come fa male al mio karma che odio questo conduttore: Non capisce nessuna parola di me e neanche io di lui. Fa sempre delle pause senza dirmi perchè e quando andiamo avanti. Dopo una vera eternità arriviamo - più di sei ore sulla strada per 200 chilometri.

Che clima tropica. Molto umida e partutto un rancidume di frutta marcia. Delle vacche in piena strada che ruminano. Sono molto diverse delle nostre in Europa. Non ho mai visto delle vacche così magre.


Arrivo al  Gange e devo straripare: Ecco il ponte Laxmanjullah e com'è bello. Un ponte enorme per pedoni e vespe - e anzi per vacche e scimmie. Il mio Ashram si chiama Omkarananda.


La dove sono io ci trovo sempre anche italiani che spesso sono contenti di parlare con me. Così ho tante belle conversazioni con Roberto, il bello Roberto di Perugia, un insegnante di yoga e pilates che prima era danzatore. Un grande piacere perchè ha sempre un'altra canzone degli anni ottanta sui labbra.


Ogni giorno c'è tanto yoga di fiato, lo yoga normale con asana, meditazione, ayurveda e reiki. Con questo programma duro si impara di più. Dopo una settimana vado con Roberto nella Pyramid, un bar in piena giungla con palme di banane. Sono troppo imprudente e mangio un'insalata che sarebbe stata sana per altre persone. Io invece non supporto le batterie e da quel giorno ho sempre la diarrea. Madonna, dopo una settimana orribile con febbre e senza mangiare per tre giorni, vado al ospedale. Mi danno degli antibiotici e vado meglio subito. Ma dopo un'altra settimana un cui vado bene, succede la stessa cosa perchè vado mangiare una tortina di cioccolata fuori dal Ashram. Stavvolta senza febbre però.

Sono immallata fino alla fine del soggiorno ma non mi sento così male. Quindi lascio andare tutte le liquide per depauperarmi un po': nello yoga questo si chiama una kriya. Le kriye sono degli esercizi per purificare il corpo.

Per gli ultimi giorni arriva il mio ragazzo. Per sfortuna non possiamo viaggiare il paese perchè sono io ch'è troppo debole. Così tanto yoga e questa kriya speciale non erano favorevoli per la mia condizione. Quindi rimaniamo a Rishikesh e andiamo insieme a una meditazione di tantra. È solo per noi due perchè non ci sono altre persone al corso stavolta. Respiriamo e canticchiamo insieme con le mie mani nelle sue e con le gambe incrociate. Io in sfere altissime, vedo degli immagini impazzite. Lui invece ha sentito grande dolore perchè non sapevo che ci si deve stare commodo meditando. È bagnato di sudore.


Andiamo a una cascata. Un giorno come dedicato per noi. Troviamo degli Indiani che vogliono fare delle foto con noi, gli stranieri strani. 

 

16.10.12 00:20


Bhindi und Puja

Der Yogakurs neigt sich seinem Ende entgegen. Die letzten Tage gehen unendlich langsam vorüber. Ich werde eine Nacht länger im Ashram verweilen und am nächsten Tag meinen Freund in einem vorab gebuchten Hotel auf einem Hügel auf der anderen Seite des Ganges treffen, wenn alles gut geht. Voller Nervosität erwarte ich das Schlimmste - Flugzeugabsturz, Entführung am Bahnhof, böswillige Taxifahrer. Ich sollte ihm mehr zutrauen, immerhin ist er über 18.

Der letzte Tag bricht an. Und das früher als üblich. Ich muss verrückt sein, denn ich stehe um kurz vor vier in der Herrgottsfrühe auf, wenn selbst die Kühe noch schlafen. Wenigstens am letzten Tag will ich begreifen, was die erlesene Gruppe um den Pranayamalehrer umtreibt, sich täglich in der Yogahalle für Atemübungen zu treffen. Es ist noch dunkel. Meine Zimmernachbarin und ich gehen bei Stromausfall die Treppe zur Halle hinauf. Man muss dabei einfach an gefährliche Tiere denken, die auf den Stufen auf einen lauern. Oben ist niemand.

Selbst ein Guru kann einmal verschlafen.

Er kommt fast pünktlich und geduscht herein. Takarash, der Südinder, der mich mit zuckersüßem Glibbertrank zum weinen gebracht hat. Drei weiße Streifen auf der Stirn, ein Wickelrock und freier Oberkörper. Es ist kalt vom Regen. Wir haben wegen des Stromausfalls immer noch kein Licht. Das macht die Situation nur noch magischer. Atmen, mit Kraft, Ausatmen mit den Bauchmuskeln und die Luft von alleine einströmen lassen. Mein Kopf ist leer. Nichts kommt mir komisch vor. Endlich dieses Gefühl für den Atem zu erlangen ist mein Ziel. In der großen Gruppe habe ich das selten geschafft. Mein Bauch wird immer noch von der üblichen Seuche bewohnt. Nach etwas mehr als einer Stunde kann ich nicht mehr und lege mich zurück. Dämmerschlaf überfällt mich.

Am frühen Vormittag dann die Puja, unsere Abschlusszeremonie.


Abschied von einer Gruppe, die mir fehlen wird. Der Zeremonienmeister hat sich feingemacht und alles mit Blumen, Ghee, Feuer und Gangesholz vorbereitet. Alle in weiß. Der Guru des Ashrams und er singen lange aus einem heiligen Büchlein. Heiliges Wasser wird allen löffelweise gereicht, hinter die Schulter, in den Mund und aufs Gesicht damit. Davon wird man immer heiliger. Wir werfen Kräuter, Blütenblätter, Mandeln und Erde aufs Feuer, der Meister tut Ghee dazu.

Dann sind wir endlich alle vollgeräuchtert und haben rote Augen. Zeit, um allen feierlich ein rotes Bändchen ans Handgelenk zu knoten und frittierte Zuckerbackerbsen zu reichen. Den Hinduismus wird man als Außenstehender nie verstehen. Alles ist mit Bedeutung aufgeladen, alles mit magischen Zeichen versehen, die die Religiösen zu deuten wissen. Ein Land mit ebenso vielen Tempeln und Heiligenbildchen wie Italien kann ich nur mögen. Unser Zertifikat wird uns verliehen.

 
10.10.12 16:33


Bitte bitte ich wuensche mir so sehr ein paar mehr Kommentare! Das gilt natuerlich nicht fuer den treuen Leser Leander, dessen Identitaet ich nach wie vor nur erahnen kann. An dich: Nur weiter so.
8.9.12 14:02


Das Gefuehl von israelischer Anheimeligkeit

Abends am ersten Tag der beinahigen Besserung muss ich ein Risiko eingehen. In Indien sind immer tausende Israelis unterwegs, deren ideale Lebensform nach dem anstrengenden obligatorischen Militaerdienst fuer Maenner und Frauen so aussieht, dass sich fast alle ein Jahr freinehmen um nach Indien zu fahren. Ein Ashram funktioniert eigentlich fast so wie ein Kibbuz. Der niedliche Yaov, mit dem ich immer auf der Terasse quatsche und dem ich meine insgeheime Schwaermerei fuer das wunderbare Land Israel verrate, laed mich ein, mit zu betchabad zu gehen. Da so viele Juden in Israel herumlaufen, haben sie sich religioes gut organisiert. Alle koennen abends vor Shabbat kostenlos essen und zusammen Shabbat feiern. Ich darf dorthin, weil die drei juedischen Yogaschueler im Ashram mich mitnehmen.

Dafuer mache ich mich huebsch, dusche den ewigen Schweissfilm von meiner milchsauren Haut, ziehe ich meinen Panjabi an, fahre mir die Augenbrauen mit einem Stift nach und flechte mir einem Zopf ueber den ganzen Kopf. So gehe ich auch in die letzte Unterrichtsstunde meines geliebten Philosophielehrers, der abends immer Reiki unterrichtet. Ein paar Erinnerungsfotos mit seiner bisher streberhaftesten Schuelerin der Yogasutren in Sanskrit, von denen ich mittlerweile 15 Stueck auswendig singen kann.


Danach gehe ich mit Nitsan zum Betchabad. Wir schwitzen, als wir den Huegel erklimmen und schwitzen unter dem Bambuszelt, wo sich alle versammelt haben weiter. Es gibt israelische Vorspeisen, die besten der Welt, Hummus, rote Beete, Salat (den ich nicht beruehre), Knoblauch-Tomaten-Sosse und Auberginen. Dazu gesegnetes Brot. Als alle singen und der Chor zu einer Einheit wird, muss ich fast weinen, weil es so schoen ist. Ich stelle mir meinen Grossvater vor, wie er mit seinen Verwandten an einer grossen Tafel sitzt und singt und Arrak trinkt.

8.9.12 14:00


Vrischikasana und Fluessigkeiten

Eine Woche lassen mich meine Gedaerme in Frieden. Ich gehe mit meiner Zimmergenossin eine kleine Suende aus Schokolade essen und muss dafuer buessen. Wieder wird alle feste Nahrung, sobald sie auf meinen Duenndarm trifft, verfluessigt, verwaessert und beschleunigt in Richtung Ausgang transportiert. Seltsam nur, dass ich diesmal kaum schlapp bin. Mir geht es im Prinzip gut, ich springe auf den Unterarmen stehend mit den Fuessen an die Wand und in Vrischikasana, die Skorpion-Pose. Das Gedaerm rumort.

 

Ab jetzt konsequent nur noch im Ashram essen und nie wieder ungekochtes. Ich spreche mit der Kundaliniyogalehrerin aus Mexiko. Sie reicht mir Neem-Dragees weiter, direkt aus dem Dschungel gepflueckt und in eine haessliche Plastikdose gefuellt. Ich lasse es mit viel Wasser meine Kehle hinabwandern. Der islaendische Yogatherapeut besieht meine Zunge und teilt mir mit, dass ich an uebler Dehydrierung leide und deswegen nicht gesunden kann. Ich kaufe mir zehn Packungen Elektrolyte und beginne an diesem Tag mit meine Bewaesserung. Erstaunlich, das reine Wasser hat mir immer schlecht geschmeckt, die Elektrolytloesung nimmt mein Koerper so dankbar auf, dass ich kaum nachkomme, zu trinken. Ich schuette am ersten Tag sieben Liter davon in mich und wache nachts auf, um einen weiteren zu trinken. Acht Liter an einem Tag. Mein Organismus wird es gebraucht haben. Die Zunge, die zuvor weisslich-gruen war und aussah wie zerschnitten, faerbt sich bis zum naechsten Tag wieder rosa-weiss. Ich trinke weiter. Halleluja, der erste halbwegs unfluessige Gang zur Dschungeltoilette. An diesem Nachmittag kaufe ich eine Maria-und-Jesus-Devotionalie in einem Touristenshop und stelle sie neben mein Bett um abends etwas unbefleckter zum Mantrasingen zu gehen.

8.9.12 13:42


Panjabis, Klimbim und Paneer


Ich fahre mit meiner Zimmergenossin an unserem freien Tag in die Innenstadt. Kurz zuvor haben wir uns in einem Laden, der ueberquillt von bunten gold- und geschmeidebestickten Glitzerstoffen, ausmessen lassen. Heute sind unsere Panjabis fertig und wir wollen sie abholen und vielleicht aendern lassen. Der Schneider ist viel zu offensichtlich vom anderen Ufer, der stolziert durch den Laden mit seinen engen Hosen und den gezupften Augenbrauen. Die Chefin persoenlich vermisst uns.
Zum Abholen sollen wir einem Jungen folgen, der uns ins Schneideratelier in einer Seitenstrasse bringt. Mein Panjabi-Oberteil sitzt hervorragend, es ist moosgruen und hat dicke gueldne Paisley-Tropfen auf Brust und Bauch. Die Hose ist viel zu eng. In Windeseile wird sie passend genaeht. Und dazu ein Klimbimschal in weinrot. Meine Freundin hat weniger Glueck, ihre beiden Panjabis schneiden ihre Brueste entzwei. Neunmal gehen die Oberteile in die Naehstube zu den Herren an den hundert Jahre alten Naehmaschinen, bis es halbwegs sitzt. In der verstreichenden Zeit kommt eine andere indische Kundin in den Laden und laesst sich innerhalb einer Stunde von der Schneiderin Tupperdosen anpreisen und aufschwatzen. Bald sind die zwei Schneiderinnen so verzweifelt, dass sie dem Maedel mit der zweigeteilten Brust erklaeren wollen, dass es so gehoert. Bei der letzten Aenderung bekreuzigt die Schneiderin sich im Scherz und sieht mich fragend an. Ich lache und signalisiere ihr, dass sie es richtig gemacht hat. Nach Stunden sind wir erst wieder am Markt.
Uns wurde ein Restaurant empfohlen, dass wir betreten. Draussen stehen grosse Kessel, die mit altem dampfendem Fett gefuellt darauf warten, dass Samosas, billige Dosas oder Pakoras hineingeworfen werden. Drinnen sieht es besser aus und es riecht himmlisch. Wir passieren eine eindrucksvolle lange Theke voller unglaublicher Suessigkeiten, Cashew-Pralines, Prince-Roll mit Mandeln und kandierten Fruechten, Milchpralinen, Dattelbaellchen, Kokosorangen. Weiter hinten sind gerade zwei Plaetze freigeworden. Wir lassen uns vom Kellner beraten, was unser europaeischer Gaumen wohl vertraegt und sind dabei natuerlich in diesem Laden die Attraktion des Tages. Die einzigen zwei Weissbrote weit und breit, zwischen Turban tragenden dicken Maennern, Frauen mit einem roten dritten Auge auf der Stirn und Nepalesen. Wir bestellen Naanbrot, ein Brot, das mit Ghee so lange ausgewalzt wird, bis sich die Fettschichten hauchduenn zwischen das Mehl schmiegen. Frisch ueber dem Feuer gebacken. Dazu Paneer, indischer weisser Sahnekaese, mit gruenen Chillieschoten, Zwiebeln und Tomaten. Ein weiteres Tellerchen mit gebratenen Kartoffeln und Fenchelsamen. Wenn man drei Wochen lang nur yogisches Gemuese, Reis und Dhal (oder auch gar nichts) gegessen hat, sind gebratene Zwiebeln mit Paneer und Gewuerzen die wahre Geschmacksexplosion. Im Ashram gibt es naemlich aus yogischen Prinzip keinen Knoblauch und keine Zwiebeln und langweiligen Obstsalat zum Fruehstueck, den ich nicht mehr sehen kann. Mit dem Tuktuk geht es zurueck nach Laxmanjullah.

4.9.12 23:16


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